| Liebe Leserin,
auf dieser Seite finden Sie Klüngel-Geschichten.
Die Geschichten von Eva und Buttje sind dem Buch entnommen (S.
11 und 58).
Alle anderen Geschichten entstanden während des Buch-Schreibens
und danach.
Und weitere Geschichten...
Alles Zufall oder was??
von Gerda Laufenberg
Ich schwöre, dass ich völlig absichtslos zu dieser
Geburtstagsfeier ging. Eingeladen hatte mich Dr. Lutz Lange,
seines Zeichens praktizierender Rechtsanwalt mit gutgehender
Kanzlei. Ich darf ihn seit drei Wochen Lutz nennen, was mich
freut, denn so viele Anwälte kenne ich nicht, die mir auf
freundschaftlicher Basis mal den einen oder anderen juristischen
Tipp ohne Blick in die Gebührenordnung zukommen lassen.
Lutz ist im selben Förderverein wie ich, macht Vorstandsarbeit
wie ich - da ist man schnell beim Du.
Es sollte nur eine kleine Feier mit wenigen guten Freunden sein,
aber offensichtlich hat Lutz davon so viele, dass auch bei knappster
Auswahl noch 20 bis 30 zusammen kommen. Ich wurde im Garten
an einen Stehtisch geschubst, an dem sich ein weiterer Jurist
– im Un-Ruhestand, wie er bescheiden lächelnd betonte
-, ein angehender Grafik-Designer und eine angehende Bildhauerin
drängten, die alle irgendwie miteinander verwandt waren.
Rein zufällig... Das hatte ich alles in wenigen Minuten
herausgefunden, weil wir sehr schnell ins Gespräch kamen,
vor allem weil wir ständig auf dem kleinen Tisch unser
Bier verwechselten und ich trank der angehenden Bildhauerin
zwei mal das Bier weg, was sie zu der Bemerkung veranlasste:
"Beim nächsten Mal hau ich Sie in Stein!" Ich
revanchierte mich mit der Bemerkung, dass ich sie dann aus Rache
zeichnen würde. Es endete damit, dass wir eine gemeinsame
Ausstellung ins Auge fassten, zu der der angehende Grafik-Designer
– zufälligerweise Cousin der Bildhauerin - den Katalog
gestalten will, weil er gerade eine Diplomarbeit schreibt über
"Wesen und Elemente des Ausstellungskatalogs seit 1945
und sein Einfluss auf die Bewegungen am Kunstmarkt". Wir
hatten nichts dagegen, am Kunstmarkt bewegt zu werden, und dann
machte uns der pensionierte Jurist auf wunderbare Ausstellungsmöglichkeiten
im Oberlandesgericht aufmerksam, er kenne den Präsidenten
persönlich. Rein zufällig. Seine Nichte, die angehende
Bildhauerin, hätte bei der Vielzahl der Bewerber allein
nur geringe Aussichten - sein Freund, der Präsident entscheide
schließlich nicht allein - aber wenn wir zwei zusammen...
? Klar, machen wir. Und dann kam Klara vom Nachbartisch herüber
und mit ihrem entzückenden amerikanischen Dialekt erzählte
sie ganz absichtslos von ihren Fotos, die sie für Künstler
und Galerien machte, bisher aber nur in der texanischen Provinz
und sie hatte zufällig auch ein Buch dabei mit Fotos von
Künstlern, aufpostiert vor bizarren Bildern und in bizarren
te-xanischen Hüten. Ein Köln-Kunst-Buch mit Kölner
KünstlerInnen ... also schön und gut, sie kommt natürlich
mal ins Atelier und dann zu der Ausstellung und dann sehen wir,
was daraus wird. Jedenfalls habe ich ihr auch die Telefonnummer
von zwei Performance-Künstlerinnen gegeben, die demnächst
in der alten Feuerwache eine Sache aufziehen, was genau, wusste
ich nicht mehr, irgendwas mit Watte und Federn. Zum Neugierig-Machen
reichte das.
Ich sagte Lutz später, dass es doch ein glücklicher
Zufall gewesen wäre, dass wir uns gerade an diesem Stehtisch
so wunderbar getroffen hätten und Lutz sagte, er hätte
mich auch an den Tisch eines anderen Schulfreundes schubsen
können, der sei Schönheits-Chirurge - aber nächstes
Jahr habe er ja wieder Geburtstag...
Ich glaube, dann gehe ich nicht hin. |
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